Das Unbewusste wohnt im Badezimmer

Eigentlich wollte ich ja heute ins Babylon. Nich vorlesen, sondern zuhören. Ganz privat bei Tiere streicheln Menschen. Der Gotti hat nämlich ein Kinderbuch geschrieben, das führt er heute vor. Zusammen mit Sven van Thom. Das wollte ich mir angucken.

Und dann kam alles wieder ganz anders: Wir hatten ja das Problem mit dem Badewannenabfluss (der stinkt, deswegen sollen wir eine neue Wanne kriegen) und dann war neulich früh ein kackbrauner Dreckwasserstreifen unter dem Warmwasserspeicher im Bad. “Stinkt nich, is nur Rost!”, hat mein Freund gesagt und den Streifen weggewischt. Und dann hatte ich letzte Woche den Badezimmerfenstergriff in der Hand. Wir sollen ja jetzt viel lüften. Bis wir die neue Wanne haben. Immerhin haben wir schon einen Termin, wann die neue Wanne eingebaut werden soll. In zwei Wochen. Das musste nämlich mit den Nachbar unter uns koordiniert werden, weil die bei denen durch die Decke müssen. Oder so. Die waren aber zwei Wochen nicht da. Oder sind nicht ans Telefon gegangen. Jedenfalls hat Firma Rohrfrei UNS schließlich aufgetragen, mit den Nachbarn einen Termin zu machen. Und der ist in zwei Wochen. Bis dahin sollen wir lüften, hat Firma Rohrfrei gesagt. Und nun ist der Fenstergriff kaputt.

Und dann werde ich heute morgen wach und denke: “Regen? Nein. Bach? Nein. Wasserfall!” Da ist der Warmwasserspeicher durchgerostet und übergelaufen und hat die halbe Wohnung überschwemmt. Der Klempner von Firma Rohrfrei war da und hat gesagt: “Da könn wan schönen Schrottschein schreiben.” Beziehungsweise hat der Klempner das natürlich nicht zu mir gesagt, sondern zu meinem Freund, obwohl ich die Hauptmieterin bin und mein Name im Mietvertrag steht und obwohl ich alle Termine gemacht hab. Scheißegal. Ich durfte Kaffee kochen. Mein Arsch hat mehr Aufmerksamkeit gekriegt als ich.

Wahrscheinlich gibt es bei Klempnern so eine Klausel im Arbeitsvertrag: “Niemals mit Frauen über fachliche Dinge reden.” Man weiß ja, was dabei rauskommt. Sie sagt: “Uhu, ich hab da eine feuchte Stelle…” Er sagt: “So so. Dann werden wir uns das mal anschauen… Oho, das ist aber wirklich feucht. Da müssen wir wohl mal ein Rohr verlegen…” Und wenns ganz schlimm kommt, dann holt er noch seinen Kollegen. Das Internet ist voll mit sowas.

Da ist es vielleicht schon besser, wenn der Klempner nur ein bißchen Schwanzvergleich mit dem einzigen anwesenden Mann im Haus macht: “Jaja, ho ho, die Dichtung… und dann den Bolzen rein… so ein Loch…”

Man kann keine unverfänglichen Sachen über einen Raum sagen, in dem jeder sofort die Hose runterlässt! Wo man sein Innerstes nach Außen kehrt, sich rein wäscht, parfümiert und Schminke auflegt. Brauch man sich ja nicht wundern, wenn da das Unbewusste hochkommt wie eine leere Schampooflasche, die man unter Wasser drückt. Oder wie Pupsblasen in der Badewanne.

Kein Wunder, dass es müffelt!

“Schaffen Sie das denn heute?”, hab ich mich getraut zu fragen und der Klempner hat schallend gelacht und ein bißchen Kaffee auf seiner Hose verschüttet.
- “Morgen?”
Der Klempner schüttelt den Kopf. “Sie brauchen ja nen neuen Speicher. Früher hatte unsere Zuliefererfirma sowatt vorrätig, aber heute muss dit allet erst jeordert werden und denn bleibt der Lastwagen stecken… Naja, Sie kennen dit…” Der letzte ging wieder an Paul.
- “Heißt das, wir haben jetzt zwei Wochen kein warmes Wasser?”, frage ich.
- “Wieso? Sie können doch schön im Topp Wasser anwärmen, kippen Se sich übern Kopp, wern Se ooch sauber!” Ich glaube, er findet das lustig. “Nein, im Laufe der nächsten Woche sollte dit Problem behoben sein. Wenn allet jut jeht…”

Ich habe bis jetzt nicht geduscht. Und das wo gestern Surfpoeten war. Da stinkt man am nächsten Tag immer so nach RocknRoll. Und Sex und Drogen und so. So kann ich ja zu keiner Kinderbuchvorstellung, schließlich. Deshalb gehe ich jetzt zu meiner Tante Erna und lege mich in die Wanne. Paul nehm ich mit. Und denn gucken wa mal

Nachsatz 6.6.:

Die Nachbarn gegenüber haben heute neue Fenster gekriegt – so laut, dass meine gewackelt haben und ich in die Bibliothek umziehen musste. Dabei weiß ja jeder, was passiert, wenn ich in die Bibliothek gehe

Und dann hab ich vorhin die Nachbarin von unten auf der Treppe getroffen, die sagt, sie ist nächste Woche da, wenn unsere Wanne kommt. Und wir hoffen bloß, dass sie nicht wirklich die Decke aufstemmen, sonst bricht am Ende noch das ganze Haus zusammen…

Bücherkisten, Klempnerwale und Solo im Mai im Zimmer 16

Liebe Handwerker, Möbelpacker und Malermeisterinnen,

zuerst ist eine liebe nahe Verwandte von mir umgezogen. Mit 200 Bücherkisten. Wenn man zweihundert Bücherkisten stapelt, ergibt das zwei Kistenwürfel von je zwei mal drei mal drei Metern. Die müssen dann abgetragen werden. Kiste für Kiste. Und jede Kiste ausgeräumt. Buch für Buch.

Nun ist die liebe nahe Verwandte aber in eine kleinere Wohnung gezogen. Da war für die vielen Bücherregale gar kein Platz. Deswegen hab ich die vererbt bekommen. Samt der Einbauküche.

Sehr schön eigentlich. Das Problem war nur, dass man ja keine neuen Möbel in eine olle Wohnung stellen möchte. Und deswegen hatten wir in unserer Wohnung jetzt auch zwei Wochen Baustelle. Mit streichen, lackieren, umbauen und allem.

Nun ist fast alles fertig. Heute kam der Klempner, weil unser Bad so nach Gulli stinkt. Das tut es schon immer, aber ich hab gedacht, das muss so, weil das Haus so alt ist. Der Klempner legte sich in unserem Bad auf den Fliesenboden und guckte unter die Badewanne. (Ich hatte unwillkürlich Greenpeace-Parolen im Ohr: Rettet die Wale!) Und dann erzählte mir der Klempner, dass die Wanne ausgetauscht werden muss. “Ditt jibt einen Heidendreck”, erklärte der, “am besten, Sie streichen nachher die Wände neu…”

Manchmal mache ich aber auch was, was ich besser kann als heimwerken. Ich lese vor:

  • WICHTIG! 18.5. Solo im Zimmer 16 in Pankow (Florastr. 16)
  • Donnerstag, 26.4. 21 Uhr Rakete 2000 zum ersten Mal auch am vierten Donnerstag im Ä Thema: “Durchstarten!” (Weserstr.40, Neukölln) www.rakete2000.blogspot.com

Alle Termine und Neuigkeiten unter

http://leastreisand.wordpress.com/termine/

http://www.facebook.com/leastreisand

Sauberen Frühjahrsputz wünsche ich (und fallt nich vonna Leiter!)

Eure Lea

Siebenfache Elefantenmutter

Komplimente sind wie Fremdworte – Reine Glückssache!

Zum Beispiel das Muskelpaket in der Disko neulich, das seine Charmeoffensive eröffnete mit den Worten: “Kurze Haare bei Frauen is ja immer schwierig…”

Oder meine Großmutter mit ihrem Beitrag zur Diskussion um meine Berufswahl: “Normalerweise hättick ja jesaacht, sie soll Schauspielerin wern. Aber mit dem Bumsbeen…”

Und dann gibt es Komplimente, die sind so schön, dass man sie sich außen an die Wohnungstür und innen an den Badezimmerspiegel schreiben möchte:

“Lea Streisand trägt in sich die Erfahrung einer alten Schamanengöttin und die Gelassenheit einer siebenfachen Elefantenmutter.”

Das stand da wirklich. In der Tageszeitung taz. Guckt hier!

Und DA-HANN gibt es jetze nemich auch noch einen Wikipedia-Eintrag!

Gerade war ich beim Turnen. Meine Physiotherapeutin Kathi war auch ganz begeistert. “Vielleicht kommste bald ins Kreuzworträtsel!”, hat sie gesagt.

- “Kreuzworträtsel?”

- “Na ja, deutsche Autorin mit neun Buchstaben. Dann biste richtich berühmt.”

Toll!

Eure Wikilea

Heute, Freitag, den 17.2. ist Premiere!!!

Die Stimmbänder sind geölt, die Gläser poliert. Tom von Periplaneta produziert seit gestern “Dorfkneipen”-Anstecker ohne Unterlass. Wenn das Tempo nachlässt, schiebt ihm jemand was zu Essen in den Mund und kippt Kaffee hinterher.

Ich hatte die ganze Nacht Alpträume.

Einer war, dass ich am Stadtrand von Göteborg mitten in der Nacht betrunken an einer verfallenen Bushalte stehe und nicht weiß, wie ich zu meiner Freundin Sabina kommen soll, die in Wirklichkeit bereits vor sechs Monaten nach Örebro gezogen ist.

In 3,5 Stunden ist Premiere und ich habe überhaupt nichts anzuziehen und vorzulesen hab ich auch nichts.

Wahrscheinlich werde ich die ganze Zeit heulen vor Rührung. Zum Glück sind Jakob Hein und Ivo Lotion noch da.
Heute abend 20 Uhr im Kaffee Burger, Torstr.60, Berlin Mitte. (U2 Rosa Luxemburg Platz)

Kommt früh, wenn ihr sitzen wollt!

Klaus Wowereit! J’accuse…!

Ein offener Brief der Surfpoetenschwesterlesebühne LSD – Liebe Statt Drogen an Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit:

Wir, die Autoren, Sänger und Entertainer der Lesebühne “LSD – Liebe Statt Drogen” fordern, dass der Club “Schokoladenerhalten bleibt.

Der Schokoladen ist einer der letzten Kreativküchen in Mitte. Hier wurden Künstler groß, hier ist Energie. Historisch war der Schokoladen Auftrittsort bekannter Lesebühnen wie “Reformbühne Heim & Welt” und “O-Ton Ute”. Aktuell strömen dort jede Woche zahlreiche Zuhörer zu unserer Lesebühne “LSD – Liebe Statt Drogen”. Darunter zuweilen ganze Schulklassen aus allen Teilen Deutschlands, deren Deutschlehrer in aktuellen Literaturführen diese Show als Aneignung moderner Poesie erkennen.

Wir finden es daher vermessen, dass der Besitzer des Hauses, Markus Friedrich, mehr als die vom Schokoladen angebotenen 1.000.000 Euro für den Verkauf des Hauses haben will. Wir sehen es auch nicht ein, dass Stadtpolitiker die Sache schleifen lassen und das angebotene Ausgleichsgrundstück Herrn Friedrich nicht schmackhafter machen. Wir geben Ihnen, Klaus Wowereit, emotional und unrecherchiert persönlich die Schuld, dass Sie einen Teil des Ausgleichsgrundstücks Ihrer Bekannten Jette Joop zuschustern, die mit einer – Achtung Ironie – “Showmanufaktur, dort sicher zahllose Arbeitsplätze schafft”.

Wir möchten nicht, dass das Herz Berlins bald nur noch aus Ferienwohnungen und Boutiquen besteht. Wir wünschen uns eine Stadtplanung, die eine Vision formuliert, die einer Metropole angemessen ist. Dazu gehört mehr, als Millionen für eine Kampagne namens “be berlin” auszugeben. Dazu gehört, die Dynamik, Vielfalt, und Freiräume für alle Berliner anzuerkennnen und zu unterstützen, ideell, mit Charakter und Haltung!

Wir, LSD, sind stolz, dass wir seit Beginn der 90er Jahre zusammen mit anderen Lesebühnen ein Live-Unterhaltungsformat etabliert haben, das originär in Berlin erfunden wurde, weltweite Ausstrahlungskraft hat und ohne Subventionen bis heute ein zahlreiches Publikum findet. Wir haben das auch geschafft, weil es Orte wie den Schokoladen gibt. Deshalb fordern wir:

Unterstützen Sie den Schokoladen!

Ivo Lotion, Micha Ebeling, Tobias “Tube” Herre, Andreas “Spider” Krenzke, Uli Hannemann

PS: Werfen Sie gern auch einen Blick auf die gemeinsame Erklärung aller Lesebühnen zum Thema!

Premiere im Kaffee Burger, Interview im Radio, Sticker falsch geschrieben

Meine Freundin und Schriftstellerkollegin Jacinta Nandi kommt aus London und lebt seit zehn Jahren in Berlin. Sie hat ihrem sechsjährigen Sohn Rico einen “Berlin ist eine Dorfkneipe”-Anstecker geschenkt, den es zum Buch dazu gab. Heute hat sie mir Folgendes geschrieben:

“Ich habe Rico deine Sticker für seine Sticker-Sammlung gegeben.
Er so: ‘Aber, Mama, ich weiß dass diese Frau bei deiner Lesebühne auch wie du eine ausländische Dame ist.’
Ich so: ‘Warum denkst du das?’
Er so: ‘Weil wir deutschen Menschen, wir werden es so sagen: ‘Berlin ist eine doofe Kneipe.’ Aber sag ihr das nicht, Mama, weil sie schon die Sticker gemacht hat, sie wird traurig sein, wenn sie weißt, dass es falsch geschrieben ist.’”

Am Freitag, den 17.2. ist offizielle Buchpremiere im Kaffee Burger. 20 Uhr. Kommt da alle hin, das wird ganz groß! Jakob Hein liest mit mir und Ivo Lotion singt und tanzt.
Ab heute stehe ich außerdem verschlafen im Internet bei Hörbuchfm als Radiointerview rum:


Premiere im Kaffee Burger

Lea Streisand “Berlin ist eine Dorfkneipe” – Die offizielle Buchpremiere!
Buchpremiere
Kaffee Burger – Torstraße 60, 10119 Berlin
Freitag, 17. Februar 2012, 20:00
Auch wenn Leas neues Buch schon unter einigen abgesägten Nadelbäumen lag, wird es im Rahmen einer Premierefeier der Welt vorgestellt. Am 17. Februar lädt Lea zur offiziellen Premiere ins Kaffee Burger ein.
Als Gäste:  Jakob Hein und  Ivo Lotion. Natürlich gibt es das Buch dort auch käuflich zu erwerben und der Verlag hat versprochen, auch einige von den heiß begehrten Buttons und Postkarten mitzubringen.

Leas neues Buch “Berlin ist eine Dorfkneipe” als Weihnachtsgeschenk

Stolze Mutter mit Baby kurz nach der Geburt.

“Was wünscht du dir eigentlich zu Weihnachten?” habe ich Paul vorhin beim Essen gefragt. “Mhm”, hat er gesagt, “Ich weiß nich.”
- “Sag mal bitte!”
- “Mhm… deine Zuneigung.”
- “Nee. Das geht nich.”
- “Wieso denn nich?”
- “Du kannst dir nichts wünschen, was du schon hast.”
- “Dann wünsch ich mir, dass es so bleibt.”
- “Das ist stinklangweilig. Sag doch mal, was du gerne haben möchtest. Was ich dir kaufen kann.”
- “Bier?”
- “Was?”
- “Schenkst du mir Bier? Eine ganze Kiste!”
- “Ach Paul!”
- “Was?!”
- “So geht das nicht!”
(Pause)
- “Was wünscht DU dir denn zu Weihnachten?!”
- “Mhm… Ich weiß nich.”
usw.
Das Problem ist nämlich, dass ich meinem Freund ja schlecht mein neues Buch zu Weihnachten schenken kann. Er hat es nämlich schon!
Letzten Freitag ist es aus der Druckerei gekommen. So wunderschön wie die Augen von Liz Taylor. Dunkelblau-violett. “Berlin ist eine Dorfkneipe” heißt es. 120 Seiten mit Geschichten aus dem sogenannten Großstadtalltag. Dazu eine CD mit 19 Geschichten. Und es kostet nur 13,90€.
Offizieller Erscheinungstermin ist der 15.02.2012
Aber über diesen Link kriegt ihr es (versandkostenfrei) noch vor Weihnachten! Ist das nicht großartig?!

Oder ihr kommt zu einer der folgenden Veranstaltungen:

Jeden Mittwoch 21 Uhr Die Surfpoeten – Ein Abend der Liga für Kampf und Freizeit
im Haus 13 im Pfefferberg (Schönhauser Allee 176, U Senefelder Platz) www.surfpoeten.de

Samstag, 17.12. 21 Uhr Samstagsshow in der Z-Bar (Bergstr.2, Mitte) www.samstagsshow.de

Dienstag, 20.12. 21.30 Uhr LSD – Liebe Statt Drogen im Schokoladen (Acker-/ Ecke Torstr.) www.liebestattdrogen.de

Donnerstag, 12.01.12 21 Uhr Rakete 2000 Thema: Körperteile im Ä (Weserstr.40, Neukölln) www.rakete2000.blogspot.com

Samstag, 14.01.12 20 Uhr Kantinenlesen in der Alten Kantine/Kulturbrauerei (Knaackstr. 97) www.kantinenlesen.de

Samstag, 21.01.12 21 Uhr Samstagsshow in der Z-Bar (Bergstr.2, Mitte) www.samstagsshow.de

Samstag, 28.01.12 20 Uhr Kantinenlesen in der Alten Kantine/Kulturbrauerei (Knaackstr. 97) www.kantinenlesen.de

Fröhliche Weihnachten und ein wundervolles 2012
wünscht euch

Eure Lea

Lea Streisand “wahlverwandtschaften snippet”


Lea Streisand “weihnachten in familie snippet”


Lea im Fernsehen auf AlexTV

Unsichtbare Filmstars

Von Lea Streisand

Ein Filmteam stand heute Nachmittag auf dem Mauerweg in Pankow. „Können sie bitte da an der Seite lang fahren?“ zwitscherte die junge Assistentin, die bestimmt nur dafür da war, pissige Radfahrer aus dem Weg zu räumen. Auf der Grünfläche daneben saßen zwei Menschen unter einem Sonnenschirm am Frühstückstisch und drum herum standen etwa 20 andere Menschen mit so Puschelmikrophonen und Kameras und Abblendscheiben und im Hintergrund rauschte die S-Bahn vorbei.

„Manchmal geht mir dieses junge kreative Berlin so was von auf die Eier“, sage ich abends zu meinem Kollegen Ivo, „deshalb bin ich ja damals aus Prenzlauer Berg weg, weil ich nich mehr bei jedem Milchkaufen in irgendwelche Dreharbeiten reinrennen wollte.“ Ivo nickt und saugt einen Mund voll Bier aus der Flasche. Ivo wohnt am Hackeschen Markt. Der rennt täglich irgendeiner Kamera ins Bild. Auf wie vielen Kilometern weg geschnittenem Film der wohl schon drauf ist? Allein bei „Lola rennt“ ist es bestimmt eine halbe Stunde. Ivo, der unsichtbare Filmstar. Neulich hat er mal so eine Filmtruppe richtig zusammengeschissen, erzählt er. „Da hatte ich eh schlechte Laune, an dem Tag. Und dann war wieder die halbe Straße gesperrt. Da hab ich die angeschnauzt, ihr mit eurem Scheißfilm, für den sich keine Sau interessiert, den kein Schwanz gucken wird und der euch nur finanziell ruiniert, könnt ihr nicht einfach HartzIV beantragen ohne vorher die halbe Stadt zu stressen?“ Ivo trinkt aus. Die Pause ist vorbei. Wir müssen zurück auf die Bühne. Die Lesebühne Lokalrunde wird nämlich heute gefilmt von Alex TV. Ivo Lotion macht dann später Videos draus. Vorhin hat er schon ein Interview mit mir auf der Straße gemacht. Arkonaplatz, Mitte, tolle Kulisse. Bloß blöd, dass uns ständig Passanten ins Bild gerannt sind. Muss Ivo nachher alles rausschneiden.

Montag, 17.10.2011, 19.45 Uhr Lokalrunde auf AlexTV