Lea Streisand: “Wahnsinn in Gesellschaft”

Ausgesprochene Geschichten von der Königin der Berliner Lesebühnen,
2 Audio CD in quadratischem Buch, Für die 2. Auflage wurde die Doppel-CD zu einem Hör-Buch erweitert, das diverse Texte der Autorin auch in Schriftform enthält. ISBN: 978-3-940767-45-5
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Als ich Lea Streisand das erste Mal auf einer Bühne erleben durfte, wurde ich das, was man als “Fan” bezeichnet. Damals war das ein schweres Los, denn es gab weder Lea-Shirts, noch Autorgrammkarten noch Werke von ihr zu erwerben…

Mit Ironie und offensichtlich einer sehr eigenen wunderbaren Beobachtungsgabe gesegnet, reflektieren Lea Streisands Geschichten ihr Umfeld mit all seinen liebenswerten und hassenswerten Eigenarten, Schwächen und Stärken.
Das ist zwar zu einem großen Teil Berlin, aber eben nicht nur. Trips ins Ausland, ob nach Göteborg oder München, liefern ebenfalls Vorlagen, wie auch unglaubliche Begebenheiten an ungewöhnlichen Orten. Das sind dann weniger plakative Sauereien auf dem Klo, als beispielsweise Handys in Bibliotheken oder ein Gespräch im Callcenter mit einem uneinsichtigen Kunden. Leas Geschichten sind Episoden, die schnell zur Sache kommen, und eine Liebe zur Sprache und Erzählkultur offenbaren, ein Staunen über die allmächtige Dummheit in der Welt und die viele Lebensweisheiten beinhalten.
“Wahnsinn in Gesellschaft” macht jede biografische Angabe der Autorin überflüssig. Eigentlich erklärt dieses Hörbuch in nur zwei Stunden alle Fragen zur Person Lea Streisand und außerdem natürlich alle Fragen, die einem zu Berlin und zu den Überlebensstrategien der dort lebenden Künstler und Studenten einfallen.
Ja, Leas Streisands Geschichten sind pädagogisch wertvoll und extrem hintersinnig. Weil sie die tragischen Momente des Lebens freilegen und überspitzt ironisch auf den Punkt bringen, sind sie extrem unterhaltsam. Auf den Literaturbühnen der Nation ist das immer häufiger anders. Da wird mit perfekter Performance über den fehlenden Inhalt hinweggetröstet. Mit “Wahnsinn in Gesellschaft” zeigt Lea Streisand, dass Inhalt und Darbietung, “Anspruch” und “Unterhaltung” sich nicht ausschließen müssen.
Thomas Manegold

CD1
Weihnachten in der Heimat (2009) 3:45
Erzähltechniken (2007) 1:50
Wie ich mal Nazi wurde (2006) 6:37
Das Schaf (2008) 2:42
Mitfahrgelegenheit.de (2005) 5:48
Fußball (2003) 3:11
Göteborg, schön Göteborg. Eine Ode in Prosa (2008) 9:28
Ein Telefongespräch (2005) 4:43
Sylvester. Ein Absturz in fünf Etappen (2007) 5:34
Nacktvorstellung (2008) 1:41
Schall und Nebel (2006) 5:31

Lea Streisand “Weihnachten in der Heimat”


CD2
Wahnsinn in Gesellschaft. Oder: Allzumenschliches in der Bibliothek (2007) 10:13
Gefühl für Bücher (2006) 1:49
Hallo Fräulein! (2004) 4:05
Die fiese Fiene (2008) 1:36
Postkartengrüße (2004) 3:11
Wieder die Schreibblockaden (2007) 2:42
Gender Trouble (2008) 1:47
Wir geben ihrer Zukunft ein Zuhause (2008) 6:44
Sommerwetterstimmung (2007) 1:48
Geteiltes Leid (2005) 3:25
Infantile Zerebralparese. Oder: Warum ich so besonders besonders bin (2008) 8:02
Es war einmal… (Märchen) (1987) 0:50

Lea Streisand “Erzähltechniken”


Lea Streisand “Wahnsinn in Gesellschaft”
Ausgesprochene Geschichten

Wahnsinn In Gesellschaft - Ausgesprochene Geschichten - Lea Streisand

Die Liveschaltung 2010

„Und hier ist wieder Kermit, der Frosch, von den Sesamstraßennachrichten. Ich melde mich live von der Ziellinie des Magisterarbeitsmarathons. Ich stehe hier direkt vor dem Hauptgebäude der Humboldt Universität zu Berlin. Wie Sie alle wissen, ist heute der Abgabetag. Die Zuschauer warten mit Spannung auf die Kandidatin S. Die Buchhändler decken vorsorglich ihre Ware zu, der Portier raucht vor Nervosität schon die dritte Zigarette. Es war ein nervenaufreibender Lauf, meine Damen und Herren. Erinnern Sie sich an geschlossene Archive, verschollene Bücher und falsche Quellenangaben. Dann die Dopingvorwürfe wegen übermäßigen Kaffee-, Schokoladen- und Tabakkonsums. Erinnern Sie sich an all die hysterischen Anfälle, an die vielen Momente, wo wir dachten: Das schafft sie doch nicht! Aber sie hat es geschafft, meine Damen und Herren! Sie hat es durchgezogen. Und hier kommt sie, meine Damen und Herren, auf dem Fahrrad kommt sie auf das Gelände gefahren. Jetzt steigt sie ab mit letzter Kraft, die letzten sechs Monate sind nicht spurlos an ihr vorübergegangen. Jetzt greift sie ihre Tasche, schließt das Rad an, jetzt geht sie in das Gebäude hinein. Wir folgen ihr mit der Kamera. Und JETZT, meine Damen und Herren, JETZT SCHMEISST SIE DIE MAGISTERARBEIT IN DEN HAUSBRIEFKASTEN!!! Ist denn das die Möglichkeit!!! Ich bin völlig von den Socken, verehrte Zuschauer. Und jetzt kommt sie wieder heraus. Die Buchhändler werfen mit Büchern, der Portier mit Zigaretten. Wahnsinn, meine Damen und Herren, es ist einfach Wahnsinn!
Frau S., Frau S.! Ein kurzes Interview für die Sesamstraßennachrichten. Wie fühlen Sie sich jetzt?
- Ähm, äh, ich äh…
- Ich danke Ihnen, Frau S. Sie sehen, meine Damen und Herren, was eine Magisterarbeit aus einem Menschen machen kann. Und damit gebe ich zurück ins Studio.“